Es referierten der Patienten- und Pflegebeauftragte der bayerischen Staatsregierung, Hermann Imhof, MdL, und die ärztliche Gutachterin des medizinischen Dienstes der privaten Pflegeversicherung (medicproof), Dr. Inge Schwemmle.

Die Sache mit den Pflegestufen – was ändert sich doch gleich?

Als Auftakt ihrer gesundheits- und pflegepolitischen Reihe lud die Jungpolitikerin Annika Clarner am 28.11.2016 zur gemeinsamen Pflegeinformationsveranstaltung des CSU-Ortsverbandes mit der evangelischen Kirchengemeinde ins Gemeindehaus EGi nach Eltersdorf ein. Thema der Veranstaltung war “Pflegestufen - was ändert sich”.

Die Resonanz war überwältigend. Hausherr Pfarrer Christian Schmidt: “Ich hätte nie gedacht, dass uns die Stühle ausgehen würden”. Untergebracht wurden dann aber alle 80 Teilnehmer im neuen Gemeindehaus EGi.

Prominent waren auch die eingeladenen Gäste der Veranstaltung, der Patienten- und Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Hermann Imhof, MdL, und die ärztliche Gutachterin des medizinischen Dienstes der Privaten Pflegeversicherungen (Medicproof), Dr. Inge Schwemmle.

In seinem Vortrag ging Herr Imhof, MdL, auf die Herausforderungen in der Pflege der Zukunft ein. Er betonte: “Das verdrängte Thema "Pflege und Pflegebedürftigkeit" muss aus seinem Schattendasein geholt werden. Pflegekräfte zählen zur Elite unseres Landes. Sie  müssen ausreichend gewürdigt werden. Zusätzlich brauchen pflegende Angehörige Entlastungen.“ Hier denke er, so Imhof, an Tagespflege und Pflegelotsen in Unternehmen. Die Kinderbetreuung könne ein Vorbild sein. Langfristig schwebe ihm ein Elterngeld auch für pflegende Angehörige vor. Als Politiker und Mensch Hermann Imhof stelle er sich die Frage: „Was ist uns eine humane und würdevolle Pflege wert?“ Er sei davon überzeugt, dass das bisherige System qualitativ weiterentwickelt werden müsse.

Herr Imhof, MdL, betonte, der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff sei revolutionär. Anstelle bisheriger körperlicher Einschränkungen sei es nun die Aufgabe des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen, die Frage der Selbstständigkeit zu begutachten.

Frau Dr. Schwemmle referierte im Anschluss ausführlich zu konkreten Fragen des neuen Pflegestärkungsgesetzes II. Die bisherigen drei Pflegestufen werden ab 1. Januar 2017 auf fünf Pflegegrade umgestellt. Hiermit könne besser auf die spezifische Pflegesituation von Demenzerkrankten in der Begutachtung eingegangen werden. Wer bereits eine Pflegestufe habe, würde ohne Begutachtung übergeleitet werden. Die Erfassung der Selbstständigkeit erfolge in sechs Lebensbereichen: 1 Mobilität, 2 Kognitive und kommunikative Fähigkeiten, 3 Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, 4 Selbstversorgung, 5 Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen, 6 Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte, die mit unterschiedlicher Gewichtung in die Begutachtung einfließen. Eine entsprechende Software sei schon verfügbar und die Schulungen der Gutachter liefen bereits.

Auf die Frage, was denn vorliegen müsse bei der bisherigen Pflegestufe 3, antwortete Frau Dr. Schwemmle, dass die Anforderungen sehr hoch seien. In der Regel lägen häufig Bettlägerigkeit, die Notwendigkeit von Nachtpflege und eine fehlende selbstständige Essensaufnahme vor.

Noch vor Beginn der eigenen Pflegebedürftigkeit fiele meist eine Vernachlässigung des eigenen Haushalts auf. Dieser Gegebenheit käme das neue Pflegestärkungsgesetz II schon ab dem Pflegegrad eins zum Beispiel mit dem zusätzlichen Entlastungsbetrag pro Monat entgegen.

Für Frau Dr. Schwemmle stehe gerade bei einer Pflegestufenbegutachtung der Mensch im Vordergrund.

Hilfe bekommen Versicherte zum Beispiel bei ihrer zuständigen Krankenkasse im Rahmen eines Pflegeberatungsgesprächs. Zu diesem seien die Kassen verpflichtet. Auch seitens des Bayerischen Patienten- und Pflegebeauftragten gibt es Unterstützung zum Beispiel in Form seiner Broschüre “Patientenberatung in Bayern”.

Wie groß der Bedarf an Information war, zeigte sich während und nach der Veranstaltung, bei der noch viele Fragen gestellt und fachkompetent beantwortet werden konnten.

Zum Abschied gab es für Herrn Imhof, MdL, einen Sack fränkische Kartoffeln und Frau Dr. Schwemmle erhielt ein frisch gebackenes Brot. Beide bekamen dazu fränkische Spezialitäten aus der Region.

Das Ziel der Veranstaltung über die Änderungen der neuen Pflegestufen zu informieren und Angehörige und Betroffene zu ermutigen Hilfe in Anspruch sowie deren Ängste vor der Begutachtung zu nehmen, konnte aus Sicht der Organisatoren erfüllt werden. Dazu der CSU Ortsvorsitzende Wolfgang Appelt: “Für uns war die Veranstaltung ein voller Erfolg”.

von

Dr. Annika Clarner
Schriftführerin Frauen-Union Erlangen, stv. CSU-Ortsvorsitzende Eltersdorf

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